Meldestelle SteckbornTel. 076 336 20 41

Hühner dem Schicksal überlassen

QUÄLEREI - Eine Spaziergängerin hat in einem Waldstück bei Berlingen Hühner gefunden. Höchstwahrscheinlich sind die Tiere dort ausgesetzt worden. Tierschützer sind empört.

Der ausgesetzte Hahn im Wald bei Berlingen. (Bild: Barbara Weber)

Barbara Weber ist entsetzt. «Stellen Sie sich vor, Sie würden einfach so in der Wüste ausgesetzt», sagt sie. Am Samstag war Weber in einem Waldstück bei Berlingen unterwegs, als sie auf einmal ­einen Hahn krähen hörte. «Ich habe mich umgeschaut und bin dem Ruf gefolgt», sagt sie. Nicht weit im Wald fand sie einen Hahn und acht Küken. «Die Tiere sind vermutlich am Samstagmorgen ausgesetzt worden», sagt Weber. Dort erwarte sie der sichere Tod. «Hühner haben im Wald null Überlebenschance.» Sie dort auszusetzen, sei Quälerei.

Tiere aussetzen ist strafbar

Auch Barbara Kappeler vom Tierschutzverein Steckborn ist empört. «Immer wieder setzen überforderte Besitzer ihre Tiere im Wald aus», sagt sie. Für die betroffenen Tiere ende das meist tödlich, wenn sie nicht gefunden würden. «Wenn jemand mit seinen Tieren, nicht mehr zurecht kommt, soll er sich bei einem Tierschutzverein melden», sagt Kappeler. Dieser nehme sie dann bei sich auf und suche Platz für sie. «Wer Tiere aber einfach so aussetzt, macht sich strafbar.» Auch im aktuellen Fall gebe es deshalb eine Strafanzeige. Leider gibt es aber immer wieder ausgesetzte Tiere. «Erst im vergangenen November wurden hier drei Hühner in einem Wald gefunden», sagt Kappeler. «Wer ausgesetzte Tiere findet, verständigt am besten Tierschutzvereine oder die Polizei.»

Mysteriöser Käfigdieb

Fünf der acht Küken haben den aktuellen Fall überlebt. «Ihnen geht es gut, jetzt suchen wir einen Unterschlupf», sagt Kappeler. Der Hahn sei in einem derart schlechten Zustand gewesen, dass ihn der Tierarzt habe erlösen müssen. «Und drei Küken konnten wir im dichten Gestrüpp vor dem Abend nicht mehr einfangen», sagt Kappeler.

Die Tierschützer hatten Käfige und Futter ausgelegt, in der Hoffnung, die Küken über Nacht zu erwischen. «Mysteriöserweise waren die Käfige und die Tiere am nächsten Morgen verschwunden», sagt Kappeler. «An der Stelle fanden wir nur noch Marder-Kot.» (mre)

Hinweis

Informationen zu den ausgesetzten Hühnern nimmt der Tierschutzverein Steckborn unter der Nummer 076 336 20 41 entgegen.

Bericht: Thurgauer Zeitung vom 14.06.2017